Motorrad fahren


Meine fette Japanerin

 
Es war 1997, da machte ich mir Gedanken, womit ich mir zu meinem Fünfzigsten eine Freude machen könnte. Im Garten lag mein altes Segelboot schon seit mehreren Jahren auf dem Trockenen auf dem Trailer. Zwischenzeitlich waren wir vom Rhein weg 18 km in die Voreifel gezogen und es war einfach zu umständlich und zeitaufwändig, dieses Hobby weiter zu pflegen. Ein Käufer für dieses Teil war schnell gefunden und binnen einer Woche nachdem ich es inseriert hatte, fand es wieder seinen Weg ins Wasser. Diesmal nach Holland, wo es seinem neuen Düsseldorfer Eigner bestimmt noch viel Freude bereitet hat.

Ich für meinen Teil beschloss den Wiedereinstieg in die Motorradszene. Um aber erst einmal festzustellen, ob dieses Hobby nach über 30 Jahren überhaupt etwas für mich sein konnte, kaufte ich eine gebrauchte Yamaha Virago mit 250 ccm. Und siehe da, es klappte und machte Spaß. Weder Wind noch Wetter konnten mich davon abhalten, dieses vergleichsweise zierliche Teil durch die Eifel zu bewegen. So richtig entsprach dieses Maschinchen aber doch noch nicht ganz meinen Träumen. Und, es hatte den großen Nachteil, dass sie sich mit Edith auf dem Sozius doch recht schwer tat.

Etwas anderes also musste her, das den Bedürfnissen noch mehr entgegen kam. Beim Blättern in den einschlägigen Katalogen fiel mir die 650 er Drag Star Classic von Yamaha auf. Es gab sie in diesem Winter erst auf dem Papier, aber nach der Beschreibung kam sie meinen Vorstellungen von allem, was auf dem damaligen Markt war am nächsten. Im Mai 1989 hatte sie ihre große Reise  von Japan nach Bonn hinter sich und, einmal aus dem Holzverschlag ausgepackt,  übertraf sie all meine Erwartungen. Ein feines Motorrad hatte ich da erstanden, eines, an dem auch Edith schnell ihren Spaß gefunden hatte.

Nach rd. 48.000 km sturz- und unfallfrei bekam sie aber doch an der einen und anderen Stelle kleine Schwächen. Da sah ich meine neue 1100 er Drag Star classic in Mayen beim Händler stehen. Eine Vorführmaschine mit 90 km auf dem Tacho und 3000.- € unter Neupreis + Zubehörpaket im Wert von 500 .- €. Da konnte ich nicht widerstehen. Der Deal war rasch gemacht und meine alte Maschine fand einen Abnehmer in Holland zu einem akzeptablen Preis.

Dieses feine Teil fahre ich noch heute und wir haben viel Spaß damit. Klar, dass die jährlichen Kilometerleistungen im Vergleich zur ersten Maschine stark nachgelassen haben. Das hat viele Gründe, wird sich aber bestimmt in den kommenden Jahren ändern, nachdem ich nicht mehr den größten Teil meiner Zeit mit Arbeit verbringen muss. Und meine Senftour für unser Clübchen ist ein fester Bestandteil des Jahreskalenders der Motorradfreunde Vinxtbachtal.

Königsfelder Motorradsegnung 2009

 

Nachwort:

Und dann kam das Jahr 2016.

19 Jahre nach dem Wiedereinstieg 1997 setzte ich den schon 2015 langsam heranreifenden Entschluss um, mich von meiner geliebten Geisha zu trennen. Aus den verschiedensten Gründen waren die Fahrleistungen in den vergangenen Jahren weiterhin sehr zurück gegangen. Mehr und mehr spürte ich, dass mir die Fahrpraxis fehlte und die körperliche Fitness nachgelassen hat, die diese Maschine mir abverlangt hat. Ich fühlte mich zunehmend unsicher und ängstlich. Der Ersatz für das Frischluftvergnügen stand ja nun auch schon auf vier Rädern in der Garage, unser SLK. Zwar murmelte das Herz weiterhin "ja" zum Motorrad, aber der Verstand ging in die andere Richtung. Und meine Frau nahm schon lange aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf dem Sozius Platz.

Also platzierte ich meine Geisha bei Autoscout zum Verkauf und nach zwei Wochen war der Deal perfekt. Am 25. April 2016 rollte die Maschine zum letzten Mal von unserem Hof und ich verabschiedete mich von ihr nach ca. 22.000 lustvollen Kilometern mit ihr mit einem lächelnden und einem ein wenig tränenfeuchten Auge.  Sie hat mit einem netten jungen Mann aus Mühlheim-Kärlich einen sicherlich ebenso begeisterten Nachfolger für mich gefunden.

Damit ist das wunderschöne und erlebnisreiche Kapitel "Motorrad" für mich zu einem guten Abschluss gekommen, das nun mit dem offenen Fahrspaß im SLK seine Fortsetzung, gemeinsam mit meiner Frau finden kann.